Was ist ein Influencer-Vertrag?
Ein Influencer-Vertrag ist eine rechtlich bindende Vereinbarung zwischen einem Unternehmen (oder einer Marke) und einem Influencer, die die Bedingungen einer Werbekooperation festlegt. Er definiert die Rechte und Pflichten beider Parteien und schafft Klarheit über Leistungen, Vergütung, Nutzungsrechte und rechtliche Rahmenbedingungen.
Für Unternehmen ist der Vertrag ein Instrument zur Qualitätssicherung und Risikominimierung. Für Influencer bietet er Schutz vor unbezahlter Arbeit und unklaren Erwartungen. Der Vertrag kann verschiedene Kooperationsformen abdecken, von einmaligen Posts bis hin zu langfristigen Markenbotschafter-Vereinbarungen.
Die rechtlichen Grundlagen bilden das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) für allgemeine Vertragsbestimmungen, das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) für Kennzeichnungspflichten sowie das Urheberrechtsgesetz (UrhG) für die Nutzung von Inhalten. Bei grenzüberschreitenden Kooperationen können zusätzlich internationale Regelungen relevant sein.
Wann braucht man einen Influencer-Vertrag?
Ein schriftlicher Influencer-Vertrag ist in jeder professionellen Kooperation zwischen Marken und Content-Creator unverzichtbar. Er schützt beide Seiten vor Missverständnissen und stellt sicher, dass alle Erwartungen klar definiert sind. Hier sind die wichtigsten Situationen, in denen ein Vertrag notwendig ist:
1. Bezahlte Kooperationen und Sponsorings
Sobald Geld fließt, sollte immer ein Vertrag vorliegen. Bezahlte Kooperationen umfassen gesponserte Posts, Storys, Videos oder andere Content-Formate, für die der Influencer eine Vergütung erhält. Der Vertrag legt fest, welche Leistungen erbracht werden müssen, wie hoch die Vergütung ist und wann sie fällig wird. Ohne schriftliche Vereinbarung besteht das Risiko von Zahlungsausfällen oder Streitigkeiten über den Leistungsumfang.
Expertentipp:
Vereinbare immer eine Anzahlung von mindestens 30–50 % vor Beginn der Content-Erstellung. So sicherst du dich als Influencer gegen kurzfristige Absagen ab.
2. Langfristige Markenbotschafter-Partnerschaften
Bei langfristigen Kooperationen, die sich über mehrere Monate oder Jahre erstrecken, ist ein umfassender Vertrag besonders wichtig. Markenbotschafter-Vereinbarungen beinhalten oft Exklusivitätsklauseln, regelmäßige Content-Verpflichtungen und besondere Verhaltensregeln. Der Vertrag sollte klar definieren, welche Konkurrenzprodukte der Influencer nicht bewerben darf und wie die laufende Vergütung strukturiert ist.
3. Produkttests und Geschenke
Auch bei unbezahlten Kooperationen, bei denen Influencer Produkte zum Testen erhalten, empfiehlt sich eine schriftliche Vereinbarung. Sie klärt, ob und wie das Produkt vorgestellt werden muss, wer die Versandkosten trägt und ob das Produkt behalten werden darf. Ohne Vertrag können Missverständnisse entstehen, wenn das Unternehmen bestimmte Erwartungen hat, die dem Influencer nicht bekannt sind.
4. Affiliate-Marketing und Performance-basierte Vergütung
Bei Affiliate-Vereinbarungen erhält der Influencer eine Provision für jeden Verkauf oder Lead, der über seinen Content generiert wird. Der Vertrag muss die Tracking-Methode, die Provisionsstruktur, die Auszahlungsmodalitäten und die Cookie-Laufzeit präzise festlegen. Ohne klare Vereinbarungen kann es zu Streitigkeiten über die Zuordnung von Verkäufen kommen.
5. Event-Teilnahmen und persönliche Auftritte
Wenn Influencer zu Markenevents eingeladen werden oder persönliche Auftritte absolvieren, sollte ein Vertrag die Details regeln. Dazu gehören Reisekosten, Unterkunft, Tagesgage, erwartete Social-Media-Berichterstattung und Verhaltensregeln während des Events. Besonders bei internationalen Events sind klare Vereinbarungen über Visaangelegenheiten und Versicherungsschutz wichtig.
Wie erstellt man einen Influencer-Vertrag?
Die Erstellung eines rechtssicheren Influencer-Vertrags erfordert sorgfältige Planung und die Berücksichtigung aller relevanten Aspekte der Zusammenarbeit. Hier ist eine Schritt-für-Schritt-Anleitung:
1. Vertragsparteien identifizieren
Beginne mit der vollständigen Identifikation beider Vertragsparteien. Bei Unternehmen gehören dazu Firmenname, Rechtsform, Handelsregisternummer und Anschrift. Bei Influencern sollte geklärt werden, ob sie als Privatperson oder über eine eigene Firma agieren. Wenn der Influencer ein Gewerbe betreibt, sind die entsprechenden Gewerbedaten aufzunehmen. Diese Angaben sind für die rechtliche Durchsetzbarkeit des Vertrags essenziell.
2. Leistungsumfang definieren
Der wichtigste Teil des Vertrags ist die präzise Definition der zu erbringenden Leistungen. Lege genau fest: Anzahl und Art der Posts (Feed-Post, Story, Reel, Video), Plattformen, auf denen veröffentlicht wird, Mindestlänge oder -dauer des Contents, spezifische Hashtags oder Mentions, die verwendet werden müssen, Freigabeprozesse vor der Veröffentlichung sowie Zeitplan für die Erstellung und Veröffentlichung. Je detaillierter diese Angaben, desto weniger Spielraum für Missverständnisse.
Expertentipp:
Füge dem Vertrag ein Briefing-Dokument als Anlage bei, das alle kreativen Vorgaben enthält. So bleibt der Hauptvertrag übersichtlich und das Briefing kann bei Bedarf aktualisiert werden.
3. Vergütung und Zahlungsbedingungen festlegen
Die Vergütungsstruktur sollte eindeutig geregelt sein. Definiere den Gesamtbetrag oder die Vergütung pro Leistung, ob es sich um Netto- oder Bruttobeträge handelt, Zahlungszeitpunkte (z. B. 50 % bei Vertragsunterzeichnung, 50 % nach Veröffentlichung), Zahlungsmethode und Kontodaten sowie Regelungen für Zusatzleistungen außerhalb des vereinbarten Umfangs. Bei längerfristigen Kooperationen können auch Bonuszahlungen für besonders erfolgreichen Content vereinbart werden.
4. Nutzungsrechte klären
Ein kritischer Punkt ist die Regelung der Nutzungsrechte am erstellten Content. Bestimme, ob das Unternehmen den Content weiterverwenden darf (z. B. für Werbeanzeigen, Website, Print), den räumlichen und zeitlichen Umfang der Nutzungsrechte, ob eine zusätzliche Vergütung für erweiterte Nutzung fällig wird und ob der Influencer den Content nach Kampagnenende löschen muss. Ohne klare Regelung kann es zu teuren Rechtsstreitigkeiten kommen.
5. Kennzeichnungspflichten berücksichtigen
Nach dem deutschen Wettbewerbsrecht (UWG) und dem Medienstaatsvertrag müssen bezahlte Kooperationen als Werbung gekennzeichnet werden. Der Vertrag sollte festlegen, wie die Kennzeichnung erfolgt (z. B. durch Hashtags wie #Werbung oder #Anzeige), wer für die korrekte Kennzeichnung verantwortlich ist und welche Konsequenzen eine fehlerhafte Kennzeichnung hat. Die Verantwortung liegt grundsätzlich beim Influencer, aber auch Unternehmen können bei Verstößen haftbar gemacht werden.
6. Vertraulichkeit und Exklusivität regeln
Vertraulichkeitsklauseln schützen sensible Geschäftsinformationen wie Kampagnenstrategien, unveröffentlichte Produkte oder Vergütungsdetails. Exklusivitätsvereinbarungen können festlegen, dass der Influencer während der Vertragslaufzeit keine Konkurrenzprodukte bewerben darf. Achte darauf, den Umfang der Exklusivität genau zu definieren (Produktkategorie, Zeitraum, Plattformen), da zu weitreichende Klauseln die Verdienstmöglichkeiten des Influencers erheblich einschränken können.
7. Kündigungsregelungen aufnehmen
Der Vertrag sollte Regelungen für die ordentliche und außerordentliche Kündigung enthalten. Definiere Kündigungsfristen, Gründe für eine fristlose Kündigung (z. B. schwerwiegende Vertragsverletzungen, Reputationsschäden), Abwicklung bereits erbrachter Leistungen bei Kündigung und Regelungen zur Rückforderung von Vorauszahlungen. Ein ausgewogener Kündigungsschutz gibt beiden Seiten Sicherheit.
Was sollte ein Influencer-Vertrag enthalten?
Ein vollständiger Influencer-Vertrag umfasst mehrere wesentliche Bestandteile, die im Folgenden detailliert erläutert werden:
- Vertragsgegenstand und Präambel: Die Präambel beschreibt den Hintergrund der Zusammenarbeit und die Ziele beider Parteien. Der Vertragsgegenstand definiert die Art der Kooperation (einmalige Kampagne, langfristige Partnerschaft, Markenbotschafter) und den groben Rahmen. Diese Einleitung hilft bei der späteren Auslegung einzelner Vertragsklauseln und dokumentiert die gemeinsame Absicht der Parteien.
- Detaillierte Leistungsbeschreibung: Hier werden alle vom Influencer zu erbringenden Leistungen aufgelistet: Content-Format und -Anzahl, Veröffentlichungsplattformen, Timeline und Deadlines, Freigabeprozesse, spezifische kreative Anforderungen sowie technische Spezifikationen (Bildauflösung, Videolänge). Eine detaillierte Leistungsbeschreibung verhindert Diskussionen über den Erfüllungsgrad der vertraglichen Pflichten.
- Vergütungsregelungen: Die Vergütungsklauseln legen fest: Höhe der Vergütung (Pauschale oder pro Leistung), Zahlungszeitpunkte und -fristen, Zahlungsmodalitäten (Überweisung, PayPal etc.), steuerliche Behandlung (Netto/Brutto, Umsatzsteuer), Spesenabrechnungen für Reisekosten oder Materialien sowie Bonusregelungen für überdurchschnittliche Performance.
- Nutzungsrechte und Lizenzen: Die Nutzungsrechtsklausel regelt, wer den erstellten Content wie verwenden darf: räumlicher Geltungsbereich (Deutschland, EU, weltweit), zeitlicher Rahmen (begrenzt oder unbegrenzt), Art der Nutzung (Social Media, Website, Print, TV), Bearbeitungsrechte sowie Übertragbarkeit an Dritte. Eine saubere Trennung zwischen einfachen und exklusiven Nutzungsrechten ist wichtig für die Vergütungsstruktur.
- Kennzeichnungs- und Compliance-Pflichten: Diese Klausel stellt sicher, dass alle gesetzlichen Anforderungen eingehalten werden: Werbekennzeichnung nach UWG und Medienstaatsvertrag, Jugendschutzbestimmungen, Datenschutzanforderungen (DSGVO), plattformspezifische Regeln sowie branchenspezifische Vorschriften (z. B. Heilmittelwerbegesetz). Der Vertrag sollte klarstellen, wer bei Verstößen haftet.
- Vertraulichkeit und Geheimhaltung: Vertraulichkeitsklauseln schützen Geschäftsgeheimnisse und Kampagnenstrategien, unveröffentlichte Produkte oder Informationen, Vergütungsdetails, interne Kommunikation sowie Kundendaten. Die Geheimhaltungspflicht sollte auch nach Vertragsende fortbestehen und einen angemessenen Zeitraum umfassen.
- Haftung und Gewährleistung: Die Haftungsklausel regelt: Garantien des Influencers bezüglich Originalität und Rechtefreiheit des Contents, Freistellung von Ansprüchen Dritter, Haftungsbeschränkungen und -ausschlüsse, Versicherungsanforderungen sowie Schadensersatzregelungen. Eine ausgewogene Haftungsverteilung schützt beide Parteien vor übermäßigen Risiken.
- Laufzeit und Kündigung: Dieser Abschnitt definiert Beginn und Ende der Vertragslaufzeit, automatische Verlängerung oder feste Laufzeit, ordentliche Kündigungsfristen, Gründe für außerordentliche Kündigung, Abwicklung bei Beendigung sowie nachvertragliche Pflichten (z. B. Löschung von Content).
Expertentipp:
Halte die Nutzungsrechte separat von der Content-Vergütung. So kannst du bei erweiterter Nutzung (z. B. für Werbeanzeigen) eine faire Zusatzvergütung verhandeln.
Praktische Tipps für den Influencer-Vertrag
Mit diesen bewährten Tipps stellst du sicher, dass dein Influencer-Vertrag alle wichtigen Aspekte abdeckt und beide Parteien optimal schützt:
- Verwende eine Standardvorlage als Basis: Statt jeden Vertrag von Grund auf neu zu erstellen, nutze eine bewährte Vorlage und passe sie an den jeweiligen Fall an. Das spart Zeit und stellt sicher, dass keine wichtigen Klauseln vergessen werden. Unsere kostenlose Vorlage bietet einen soliden Ausgangspunkt für die meisten Kooperationsformen.
- Dokumentiere alles schriftlich: Mündliche Absprachen sind schwer nachweisbar und führen oft zu Missverständnissen. Halte alle Vereinbarungen schriftlich fest, auch Änderungen während der Zusammenarbeit. E-Mails können als Nachweis dienen, aber Vertragsänderungen sollten idealerweise als Nachtrag zum Hauptvertrag formalisiert werden.
- Definiere klare Freigabeprozesse: Lege fest, wie viele Korrekturschleifen im Vertrag enthalten sind, wer auf Unternehmensseite Freigaben erteilt und welche Fristen für die Freigabe gelten. Ohne klare Prozesse können sich Projekte endlos hinziehen oder es entstehen Konflikte über zusätzliche Überarbeitungen.
- Achte auf faire Exklusivitätsklauseln: Als Influencer solltest du Exklusivitätsklauseln genau prüfen. Eine zu weitreichende Exklusivität kann deine Einnahmen erheblich beschränken. Verhandle einen angemessenen Aufpreis für Exklusivität und begrenze sie auf die unmittelbare Produktkategorie und einen vernünftigen Zeitraum.
- Sichere dich gegen Zahlungsausfälle ab: Vereinbare Anzahlungen, kurze Zahlungsfristen und Verzugszinsen bei verspäteter Zahlung. Bei Neukunden oder größeren Aufträgen kann eine Bonitätsprüfung sinnvoll sein. Dokumentiere alle Leistungen sorgfältig, um im Streitfall Nachweise zu haben.
- Lass wichtige Verträge prüfen: Bei größeren Kooperationen oder ungewöhnlichen Klauseln lohnt sich die Investition in eine rechtliche Prüfung. Ein auf Medienrecht spezialisierter Anwalt kann potenzielle Fallstricke identifizieren und Verbesserungsvorschläge machen. Die Kosten sind oft gering im Vergleich zu den Risiken eines schlecht formulierten Vertrags.
Expertentipp:
Vereinbare maximal zwei Korrekturschleifen im Vertrag. Zusätzliche Änderungswünsche sollten separat vergütet werden. So schützt du dich vor endlosen Überarbeitungen.
Wichtige Erkenntnisse
Der Influencer-Vertrag ist das rechtliche Rückgrat jeder professionellen Kooperation im Social-Media-Marketing. Er schützt sowohl Unternehmen als auch Influencer vor finanziellen Verlusten und rechtlichen Risiken.
Für Unternehmen bietet ein gut strukturierter Vertrag Planungssicherheit, Qualitätskontrolle und Schutz vor Reputationsschäden. Für Influencer sichert er faire Bezahlung, klare Erwartungen und den Schutz ihrer kreativen Arbeit.
Mit unserer kostenlosen Vorlage kannst du sofort einen professionellen Influencer-Vertrag erstellen und deine nächste Kooperation rechtssicher gestalten.


