Was ist eine Sorgerechtsverfügung
Eine Sorgerechtsverfügung ist eine schriftliche Erklärung, in der Eltern festlegen, wer im Falle ihres Todes oder ihrer dauerhaften Handlungsunfähigkeit das Sorgerecht für ihre minderjährigen Kinder übernehmen soll. Sie ist eine letztwillige Verfügung im Sinne des Bürgerlichen Gesetzbuchs und muss daher bestimmten Formvorschriften genügen.
Das Familiengericht ist an den in der Sorgerechtsverfügung genannten Wunsch der Eltern grundsätzlich gebunden, sofern die benannte Person geeignet ist und das Kindeswohl nicht gefährdet wird. Ohne eine solche Verfügung entscheidet das Gericht nach eigenem Ermessen, wer Vormund wird. Mit einem PDF-Muster für die Sorgerechtsverfügung kannst du dieses wichtige Dokument rechtssicher erstellen.
Die rechtlichen Grundlagen finden sich in den Paragrafen 1776 ff. BGB zur Vormundschaft sowie in Paragraf 1773 BGB zu den Voraussetzungen. Weitere Informationen bietet das Bundesministerium der Justiz: www.gesetze-im-internet.de.
Wann braucht man eine Sorgerechtsverfügung
Eine Sorgerechtsverfügung ist für alle Eltern minderjähriger Kinder sinnvoll. Besonders wichtig ist sie jedoch in bestimmten Lebenssituationen, in denen das Risiko erhöht ist oder besondere Umstände vorliegen.
1. Alleinerziehende Eltern
Für alleinerziehende Eltern ist eine Sorgerechtsverfügung besonders wichtig. Wenn nur ein Elternteil das alleinige Sorgerecht hat und diesem etwas zustößt, gibt es keinen zweiten sorgeberechtigten Elternteil, der automatisch die Verantwortung übernimmt. Ohne eine Verfügung könnte das Familiengericht das Kind dem anderen leiblichen Elternteil zusprechen, selbst, wenn dieser bisher keinen Kontakt hatte.
Mit einem Sorgerechtsverfügungsmuster können alleinerziehende Eltern genau festlegen, wer sich um ihr Kind kümmern soll. Du kannst auch ausdrücklich bestimmen, dass bestimmte Personen nicht als Vormund infrage kommen sollen.
Expertentipp:
Als alleinerziehender Elternteil sollten Sie in der Sorgerechtsverfügung ausdrücklich begründen, warum der andere leibliche Elternteil nicht als Vormund geeignet ist. Das Gericht muss diese Begründung bei seiner Entscheidung berücksichtigen.
2. Eltern mit schwerer Erkrankung
Wenn ein oder beide Elternteile an einer schweren Erkrankung leiden, ist die Erstellung einer Sorgerechtsverfügung dringend zu empfehlen. Sie gibt Sicherheit in einer ohnehin belastenden Situation und gewährleistet, dass die Kinder im Ernstfall gut versorgt sind. Die Verfügung kann jederzeit angepasst werden, wenn sich die Situation ändert.
3. Familien mit besonderen Betreuungsbedürfnissen
Wenn Kinder besondere Betreuungsbedürfnisse haben, etwa aufgrund einer Behinderung oder chronischen Erkrankung, ist es besonders wichtig, einen Vormund zu benennen, der mit diesen Anforderungen vertraut ist und sie bewältigen kann. In der Sorgerechtsverfügung kannst du detailliert beschreiben, welche besonderen Bedürfnisse bestehen und welche Qualifikationen der Vormund mitbringen sollte.
4. Patchwork-Familien und komplexe Familienverhältnisse
In Patchwork-Familien oder bei komplexen Familienverhältnissen kann eine Sorgerechtsverfügung Klarheit schaffen. Sie ermöglicht es, Stiefeltern oder andere nahestehende Personen als Vormund zu benennen und sicherzustellen, dass Geschwister nicht getrennt werden. So kannst du den Zusammenhalt der Familie auch für den Ernstfall sichern.
Wie erstellt man eine Sorgerechtsverfügung
Die Erstellung einer rechtsgültigen Sorgerechtsverfügung erfordert ein sorgfältiges Vorgehen. Mit einem PDF-Muster zur Sorgerechtsverfügung und den folgenden Schritten kannst du sicherstellen, dass deine Verfügung wirksam ist.
1. Wunschperson(en) auswählen
Überlege dir sorgfältig, wer als Vormund für deine Kinder geeignet ist. Die Person sollte eine enge Beziehung zu den Kindern haben, deine Erziehungsvorstellungen teilen und in der Lage sein, die Verantwortung zu übernehmen. Berücksichtige auch praktische Aspekte wie Wohnort, Alter und finanzielle Situation der Person.
Es ist ratsam, neben der Hauptperson auch eine oder mehrere Ersatzpersonen zu benennen. Falls die erste Wunschperson zum Zeitpunkt des Ernstfalls nicht zur Verfügung steht oder die Aufgabe nicht übernehmen kann, greift das Gericht auf die Ersatzperson zurück.
Expertentipp:
Sprich unbedingt vorher mit deiner Wunschperson und hole dir deren ausdrückliches Einverständnis ein. Eine Vormundschaft ist eine große Verantwortung, die niemand unvorbereitet übernehmen sollte.
2. Verfügung handschriftlich oder notariell erstellen
Eine Sorgerechtsverfügung kann handschriftlich oder notariell erstellt werden. Die handschriftliche Variante muss vollständig von Hand geschrieben und unterschrieben sein. Ein am Computer erstelltes und ausgedrucktes Dokument ist nicht gültig. Die notarielle Beurkundung ist nicht zwingend erforderlich, bietet aber zusätzliche Rechtssicherheit.
Wenn beide Eltern gemeinsam sorgeberechtigt sind, sollte jeder Elternteil eine eigene Verfügung erstellen. Es ist auch möglich, ein gemeinsames Dokument zu verfassen, das beide Elternteile unterschreiben.
3. Sicher hinterlegen
Die fertige Sorgerechtsverfügung sollte an einem sicheren Ort aufbewahrt werden, der im Ernstfall schnell zugänglich ist. Mögliche Aufbewahrungsorte sind das Zentrale Testamentsregister, ein Notar, ein Bankschließfach oder ein feuerfester Tresor zu Hause. Informiere Vertrauenspersonen über den Aufbewahrungsort.
Welche Inhalte gehören in eine Sorgerechtsverfügung
Eine vollständige Sorgerechtsverfügung enthält mehrere wesentliche Bestandteile, die für die Wirksamkeit und Umsetzung durch das Familiengericht erforderlich sind.
Name und Geburtsdatum des Kindes/der Kinder: Geben Sie für jedes Kind, für das die Verfügung gelten soll, den vollständigen Namen und das Geburtsdatum an. So ist eine eindeutige Zuordnung möglich. Bei mehreren Kindern kannst du für alle denselben Vormund benennen oder unterschiedliche Regelungen treffen.
Benennung des gewünschten Vormunds: Nenne die Person, die du als Vormund wünschst, mit vollständigem Namen, Geburtsdatum und Anschrift. Beschreibe kurz die Beziehung zum Kind und begründe deine Wahl. Benenne auch mindestens eine Ersatzperson für den Fall, dass die erste Wahl nicht verfügbar ist.
Ausschluss bestimmter Personen (falls gewünscht): Du kannst in der Sorgerechtsverfügung auch ausdrücklich festlegen, dass bestimmte Personen nicht als Vormund infrage kommen. Dies ist besonders wichtig, wenn du verhindern möchtest, dass der andere leibliche Elternteil oder bestimmte Verwandte das Sorgerecht erhalten. Begründe deinen Ausschluss sachlich.
Expertentipp:
Die Begründung für den Ausschluss bestimmter Personen sollte sich auf das Kindeswohl beziehen. Rein persönliche Abneigungen reichen nicht aus. Nenne konkrete Gründe wie mangelnden Kontakt, ungeeignete Lebensumstände oder frühere Vorfälle.
Praktische Tipps für die Sorgerechtsverfügung
Mit den folgenden Tipps stellst du sicher, dass deine Sorgerechtsverfügung für Kinder wirksam ist und im Ernstfall problemlos umgesetzt werden kann.
- Mit der Wunschperson vorab sprechen: Bevor du jemanden in deiner Sorgerechtsverfügung benennst, solltest du mit dieser Person ausführlich sprechen. Erkläre deine Wünsche und Vorstellungen zur Erziehung. Stelle sicher, dass die Person bereit und in der Lage ist, diese Verantwortung zu übernehmen. Ein offenes Gespräch vermeidet Missverständnisse.
- Regelmäßig aktualisieren: Überprüfe deine Sorgerechtsverfügung regelmäßig und passe sie bei Bedarf an. Lebensumstände ändern sich: Die Wunschperson zieht um, wird krank oder die Beziehung ändert sich. Auch wenn deine Kinder älter werden, können sich die Anforderungen ändern. Eine regelmäßige Überprüfung, zum Beispiel jährlich, ist empfehlenswert.
- Aufbewahrungsort dokumentieren: Informiere mehrere Vertrauenspersonen über den Aufbewahrungsort der Sorgerechtsverfügung. Hinterlege gegebenenfalls Kopien bei der benannten Wunschperson, einem Anwalt oder Notar. So ist sichergestellt, dass das Dokument im Ernstfall gefunden und zeitnah dem Familiengericht vorgelegt werden kann.
Expertentipp:
Erwäge die Registrierung deiner Sorgerechtsverfügung beim Zentralen Testamentsregister der Bundesnotarkammer. So kann das Familiengericht im Ernstfall schnell feststellen, ob eine Verfugung existiert und wo sie hinterlegt ist.
Wichtige Erkenntnisse
Die Sorgerechtsverfügung ist ein unverzichtbares Dokument für alle Eltern minderjähriger Kinder. Mit einem Sorgerechtsverfügungsmuster kannst du rechtssicher festlegen, wer sich um deine Kinder kümmern soll, wenn du es nicht mehr kannst. Achte auf die Formvorschriften, wähle die Wunschperson sorgfältig aus und aktualisiere die Verfügung regelmäßig. So gibst du deinen Kindern die Sicherheit, dass sie auch im schlimmsten Fall in guten Händen sind.

