Was ist ein Bewerbungsschreiben?
Das Bewerbungsschreiben, auch Anschreiben genannt, ist ein formeller Geschäftsbrief an das Unternehmen. Es folgt dem Aufbau der DIN 5008 mit Absender, Empfänger, Datum, Betreff, Anrede, Fließtext und Grußformel und umfasst in der Regel genau eine Seite.
Inhaltlich beantwortet es drei Fragen: Warum diese Stelle, warum dieses Unternehmen und warum du? Anders als der Lebenslauf zählt es keine Stationen auf, sondern wählt zwei bis drei davon aus und zeigt, was sie für die ausgeschriebene Aufgabe bedeuten.
Expertentipp:
Schreibe das Anschreiben nach dem Lebenslauf, nicht davor. Erst wenn die Stationen vor dir liegen, erkennst du, welche zwei oder drei wirklich zur Stelle passen. Genau diese greifst du im Anschreiben heraus, der Rest bleibt dem Lebenslauf überlassen.
Wann wird ein Bewerbungsschreiben benötigt?
Nicht jedes Verfahren verlangt noch ein Anschreiben, in diesen Fällen gehört es aber weiterhin dazu:
1. Bei einer Stellenbewerbung
Der Standardfall: Es gibt eine konkrete Ausschreibung mit Anforderungen, auf die du dich beziehen kannst. Nimm die drei bis vier wichtigsten Punkte aus der Anzeige auf und belege jeden davon mit einem konkreten Beispiel aus deiner bisherigen Arbeit.
2. Bei einer Initiativbewerbung
Ohne Ausschreibung muss das Anschreiben die Lücke füllen, die sonst die Stellenanzeige schließt. Benenne selbst, für welchen Bereich du dich bewirbst, welches Problem du lösen kannst und woher dein Interesse an diesem Unternehmen kommt. Ein vorheriger Anruf im Fachbereich verschafft dir dafür oft den entscheidenden Anknüpfungspunkt.
3. Für Praktikum oder Ausbildung
Hier zählt Berufserfahrung noch wenig, deshalb rücken Motivation, Schulfächer, Projekte, Ehrenamt und Nebenjobs in den Vordergrund. Erkläre konkret, warum dich dieser Beruf interessiert und was du im Betrieb lernen möchtest. Pauschale Sätze über „spannende Herausforderungen" ersetzen das nicht.
4. Bei einem Branchen- oder Berufswechsel
Wer quer einsteigt, braucht das Anschreiben am dringendsten, denn der Lebenslauf allein erklärt den Wechsel nicht. Zeige, welche Fähigkeiten übertragbar sind, und benenne den Wechsel offen und positiv, statt ihn zu umschreiben.
Wie schreibt man ein Bewerbungsschreiben richtig?
Ein gutes Anschreiben ist kurz, konkret und auf die Stelle zugeschnitten. Die folgenden Schritte helfen dir dabei:
Schritt 1: Einen überzeugenden Einstieg finden
Der erste Satz entscheidet, ob weitergelesen wird. Verzichte auf Formulierungen wie „hiermit bewerbe ich mich auf die von Ihnen ausgeschriebene Stelle" und steige stattdessen mit einem konkreten Bezug ein: ein Ergebnis deiner Arbeit, ein Punkt aus der Ausschreibung oder ein Gespräch auf einer Messe.
Schritt 2: Eigene Stärken auf die Stelle beziehen
Jede Stärke braucht einen Beleg. Statt „Ich bin teamfähig und belastbar" schreibst du, welches Projekt du mit wie vielen Beteiligten gesteuert hast und was dabei herauskam. Zahlen, Zeiträume und Ergebnisse machen aus einer Behauptung eine nachprüfbare Aussage.
Schritt 3: Den Bezug zum Unternehmen herstellen
Ein Absatz genügt, aber er muss echt sein. Beziehe dich auf ein Produkt, einen Markt, eine Arbeitsweise oder eine Veränderung im Unternehmen und erkläre, warum das zu dir passt. Lobhudelei ohne konkreten Anknüpfungspunkt erkennt jede Personalabteilung sofort.
Schritt 4: Mit einer klaren Handlungsaufforderung schließen
Nenne zum Schluss deinen frühestmöglichen Eintrittstermin, bei Bedarf deine Gehaltsvorstellung und bitte selbstbewusst um ein Gespräch. Formulierungen im Konjunktiv wie „würde ich mich freuen" schwächen den Schluss; „ich freue mich auf das Gespräch" wirkt klarer.
Expertentipp:
Mit einem Dokumentengenerator wie Legally.io kannst du dein Bewerbungsschreiben Schritt für Schritt anhand eines Musters erstellen. So stimmen Aufbau nach DIN 5008, Betreff, Anrede und Grußformel von Anfang an, und du kannst dich auf den Inhalt konzentrieren.
Was muss ein Bewerbungsschreiben enthalten?
Damit das Anschreiben vollständig und formal korrekt ist, sollten folgende Bestandteile enthalten sein:
- Absender, Empfänger und Datum: deine vollständigen Kontaktdaten mit Telefonnummer und E-Mail-Adresse, die genaue Anschrift des Unternehmens mit Abteilung und Ansprechperson sowie Ort und Datum.
- Betreff und Anrede: ein aussagekräftiger Betreff mit der genauen Stellenbezeichnung, der Referenznummer und der Fundstelle, dazu eine persönliche Anrede mit dem Namen der zuständigen Person.
- Einleitung mit konkretem Bezug: ein Einstieg, der deutlich macht, worauf du dich beziehst und was dein Interesse ausgelöst hat.
- Hauptteil mit belegten Qualifikationen: zwei bis drei Absätze, in denen du passende Stationen, Fähigkeiten und Ergebnisse mit der Ausschreibung verknüpfst.
- Bezug zum Unternehmen: ein kurzer Absatz, der erklärt, warum du dich genau für dieses Unternehmen interessierst.
- Schlussteil mit Eintrittstermin: der frühestmögliche Starttermin, bei ausdrücklicher Aufforderung die Gehaltsvorstellung und die Bitte um ein persönliches Gespräch.
- Grußformel und Unterschrift: „Mit freundlichen Grüßen", darunter deine Unterschrift und der maschinenschriftliche Name; bei digitalen Bewerbungen als eingescannte Unterschrift.
Praktische Tipps für das Bewerbungsschreiben
Folgende Hinweise heben dein Anschreiben vom Stapel ab:
- Individuell auf das Unternehmen eingehen: Ein Anschreiben, das sich mit ausgetauschtem Firmennamen überall verschicken ließe, wirkt genau so. Mindestens ein Absatz sollte sich so konkret auf das Unternehmen beziehen, dass er in keiner anderen Bewerbung passen würde.
- Auf eine Seite beschränken: Üblich sind drei bis fünf Absätze auf einer DIN-A4-Seite mit einer gut lesbaren Schrift in 11 oder 12 Punkten. Wer mehr braucht, hat meist den Lebenslauf nacherzählt statt ausgewählt.
- Rechtschreibung sorgfältig prüfen: Tippfehler im Firmennamen oder im Namen der Ansprechperson sind die häufigsten vermeidbaren Fehler. Lies das Schreiben laut, prüfe es zusätzlich mit einer Rechtschreibhilfe und lass eine zweite Person darüberschauen.
- Die Ansprechperson recherchieren: „Sehr geehrte Damen und Herren" ist die schwächste Variante. Der Name steht oft in der Ausschreibung, auf der Karriereseite oder lässt sich mit einem kurzen Anruf erfragen, der zugleich einen guten Einstieg für die Einleitung liefert.
- Als PDF versenden und Dateinamen prüfen: Schicke Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnisse als ein durchsuchbares PDF mit sprechendem Dateinamen, etwa „Bewerbung_Mustermann_Projektleitung.pdf". Halte dich an die in der Anzeige genannte Dateigröße.
Wichtigste Erkenntnisse
Ein Bewerbungsschreiben ist kein Begleitzettel, sondern das Mittel, mit dem du die Relevanz deines Lebenslaufs einordnest. Es gehört auf eine Seite, folgt dem Aufbau eines Geschäftsbriefs nach DIN 5008 und beantwortet drei Fragen: warum diese Stelle, warum dieses Unternehmen und warum du?
Entscheidend ist die Konkretheit. Jede genannte Stärke braucht ein Beispiel mit Ergebnis, und mindestens ein Absatz muss so individuell auf das Unternehmen zugeschnitten sein, dass er nirgendwo sonst passen würde. Eine geprüfte Vorlage nimmt dir die Formalitäten ab, damit du die Zeit in den Inhalt stecken kannst.


