Was ist ein Antrag auf Mietstundung beim Wohnmietvertrag?
Ein Antrag auf Mietstundung ist ein schriftliches Ersuchen des Mieters an den Vermieter, die fällige Miete für einen bestimmten Zeitraum ganz oder teilweise zu stunden – das heißt, die Zahlungspflicht zeitlich hinauszuschieben. Die Mietschuld wird dabei nicht erlassen, sondern lediglich auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Der Mieter bleibt verpflichtet, die gestundete Miete zu einem vereinbarten Zeitpunkt oder in vereinbarten Raten nachzuzahlen.
Rechtlich betrachtet ist eine Mietstundung eine vertragliche Vereinbarung zwischen Mieter und Vermieter, die den bestehenden Mietvertrag ergänzt. Sie basiert auf der allgemeinen Vertragsfreiheit nach §§ 311, 241 BGB. Anders als bei einer Mietminderung, bei der sich die Miete kraft Gesetzes wegen eines Wohnungsmangels reduziert, setzt die Mietstundung die Zustimmung des Vermieters voraus. Der Vermieter ist grundsätzlich nicht verpflichtet, einer Stundung zuzustimmen – es handelt sich um eine freiwillige Vereinbarung.
Ein sorgfältig formulierter Antrag auf Mietstundung ist jedoch oft der entscheidende Faktor, der den Vermieter zur Zustimmung bewegt. Er zeigt, dass der Mieter die Situation ernst nimmt, einen konkreten Plan zur Nachzahlung hat und das Mietverhältnis fortsetzen möchte. Gleichzeitig schützt die schriftliche Vereinbarung beide Seiten: Der Mieter sichert sich gegen eine fristlose Kündigung wegen Zahlungsverzugs ab, und der Vermieter erhält eine verbindliche Zusage über den Rückzahlungszeitpunkt.
Wann kann man eine Mietstundung beantragen?
1. Bei vorübergehenden finanziellen Engpässen
Der häufigste Anlass für einen Antrag auf Mietstundung ist ein vorübergehender finanzieller Engpass, der es dem Mieter unmöglich macht, die Miete fristgerecht und vollständig zu zahlen. Typische Situationen sind unerwartete Ausgaben wie eine teure Autoreparatur, eine hohe Nebenkostennachzahlung oder eine vorübergehende Einkommenslücke, die durch den Wechsel zwischen zwei Arbeitsverhältnissen entsteht. Entscheidend ist, dass der Engpass zeitlich begrenzt ist und der Mieter absehen kann, wann er wieder in der Lage sein wird, die volle Miete zu zahlen. Je konkreter du dem Vermieter darlegst, warum die Situation vorübergehend ist und wie du die Rückzahlung planst, desto größer sind die Chancen, dass er einer Mietstundung zustimmt.
2. Nach Jobverlust oder unverschuldetem Einkommensverlust
Verliert ein Mieter seinen Arbeitsplatz, reduziert sich das Einkommen oft drastisch – insbesondere in der Übergangszeit, bis Arbeitslosengeld oder andere Sozialleistungen bewilligt und ausgezahlt werden. In dieser Phase kann eine Mietstundung verhindern, dass Mietrückstände entstehen, die eine fristlose Kündigung des Mietvertrags nach § 543 Abs. 2 Nr. 3 BGB rechtfertigen würden. Auch bei einer längeren Krankheit, einem Arbeitsunfall oder dem Wegfall einer freiberuflichen Einnahmequelle ist der Antrag auf Mietstundung ein geeignetes Mittel, um das Mietverhältnis zu stabilisieren, bis sich die finanzielle Situation wieder normalisiert.
Expertentipp:
Beantrage Arbeitslosengeld, Wohngeld oder andere Sozialleistungen parallel zum Stundungsantrag und teile dem Vermieter mit, dass du diese Hilfen bereits beantragt hast. Das signalisiert, dass du aktiv an einer Lösung arbeitest und die Mietstundung tatsächlich nur eine Brücke ist.
3. Im Rahmen gesetzlicher Sonderregelungen bei Krisensituationen
In Krisensituationen hat der Gesetzgeber in der Vergangenheit Sonderregelungen geschaffen, die Mieter vor einer Kündigung wegen pandemiebedingter oder krisenbedingter Mietrückstände schützen. Während der COVID-19-Pandemie beispielsweise wurde mit Art. 240 § 2 EGBGB ein befristetes Kündigungsmoratorium eingeführt, das Vermietern die Kündigung wegen Zahlungsverzugs untersagte, wenn der Rückstand auf den Auswirkungen der Pandemie beruhte. Auch wenn solche Sonderregelungen zeitlich begrenzt sind, zeigt die Erfahrung, dass in wirtschaftlichen Krisenzeiten der Gesetzgeber oder die Rechtsprechung mieterseitige Schutzmechanismen aktivieren kann. Ein Antrag auf Mietstundung kann in solchen Phasen zusätzlich zur gesetzlichen Absicherung sinnvoll sein, um die Rückzahlung klar zu regeln.
4. Bei bevorstehender Nachzahlung oder Bonuserwartung
Manchmal steht die finanzielle Entspannung bereits konkret bevor – etwa durch eine erwartete Steuererstattung, eine Bonuszahlung des Arbeitgebers, die Auszahlung einer Versicherungsleistung oder den Erhalt einer bewilligten Sozialleistung. In diesen Fällen ist die Mietstundung besonders leicht zu begründen, weil du dem Vermieter einen exakten Zeitpunkt für die Rückzahlung nennen kannst. Ein konkreter, terminierbarer Zahlungszufluss macht den Antrag überzeugend und gibt dem Vermieter die Sicherheit, dass die gestundete Miete tatsächlich beglichen wird.
Wie beantragt man eine Mietstundung beim Vermieter?
Schritt 1: Frühzeitig und schriftlich an den Vermieter wenden
Der wichtigste Grundsatz bei einer Mietstundung lautet: Wende dich so früh wie möglich an den Vermieter – idealerweise, bevor die Miete das erste Mal ausbleibt. Ein proaktiver Antrag signalisiert Verantwortungsbewusstsein und Vertragstreue und erhöht die Bereitschaft des Vermieters, einer Stundung zuzustimmen, erheblich. Stelle den Antrag immer schriftlich, damit beide Seiten eine Dokumentation haben. Ein formloses Schreiben oder eine E-Mail genügt grundsätzlich, doch ein strukturiertes Musterschreiben zur Mietstundung wirkt professioneller und überzeugender.
Schritt 2: Finanzielle Situation und Grund der Stundungsbitte darlegen
Erkläre dem Vermieter sachlich und offen, warum du die Miete derzeit nicht zahlen kannst. Nenne den konkreten Grund – Jobverlust, Krankheit, unerwartete Kosten – und beschreibe, seit wann die Situation besteht und warum sie vorübergehend ist. Du musst keine intimen Details preisgeben, aber eine nachvollziehbare Begründung ist entscheidend. Ohne eine plausible Erklärung hat der Vermieter keinen Anlass, von seiner Rechtsposition – dem sofortigen Anspruch auf volle Mietzahlung – abzuweichen.
Expertentipp:
Füge deinem Antrag Nachweise bei, die deine Situation belegen: eine Kopie der Kündigung des Arbeitsvertrags, einen Bescheid über die Bewilligung von Arbeitslosengeld oder eine ärztliche Bescheinigung über eine längere Arbeitsunfähigkeit. Solche Belege unterstreichen die Ernsthaftigkeit deines Anliegens und bauen Vertrauen auf.
Schritt 3: Konkreten Rückzahlungsplan vorschlagen
Ein Stundungsantrag ohne Rückzahlungsplan ist eine bloße Bitte – ein Antrag mit konkretem Plan ist ein Angebot. Schlage dem Vermieter genau vor, wie und wann du die gestundete Miete zurückzahlen wirst: als Einmalzahlung zu einem bestimmten Datum oder in monatlichen Raten über einen festgelegten Zeitraum. Je konkreter und realistischer dein Vorschlag ist, desto eher wird der Vermieter zustimmen. Unrealistische Versprechen, die du nicht einhalten kannst, schaden dagegen deiner Glaubwürdigkeit und gefährden das gesamte Mietverhältnis.
Schritt 4: Vereinbarung schriftlich fixieren und von beiden Seiten unterzeichnen
Sobald der Vermieter der Mietstundung zustimmt, halte die Vereinbarung schriftlich fest. Eine formlose Vereinbarung, die beide Parteien unterzeichnen, reicht aus. Sie sollte den Stundungszeitraum, den gestundeten Betrag, den Rückzahlungsplan und die Regelung benennen, wonach das Mietverhältnis während der Stundung ungekündigt fortbesteht. Die schriftliche Vereinbarung zur Mietstundung schützt dich davor, dass der Vermieter trotz Zustimmung eine Kündigung wegen Zahlungsverzugs ausspricht, und gibt dem Vermieter die Sicherheit eines verbindlichen Rückzahlungsplans.
Was muss der Antrag auf Mietstundung enthalten?
- Angaben zu Mieter, Vermieter und Mietobjekt: Dein vollständiger Name, deine Adresse, Name und Adresse des Vermieters sowie die genaue Bezeichnung der Mietwohnung (Straße, Hausnummer, Stockwerk) ermöglichen eine eindeutige Zuordnung.
- Bezugnahme auf den Mietvertrag: Nenne das Datum des Mietvertrags, damit klar ist, welches Mietverhältnis betroffen ist.
- Begründung der finanziellen Notlage: Beschreibe sachlich, warum du die Miete derzeit nicht zahlen kannst. Nenne den konkreten Anlass und erkläre, warum die Situation vorübergehend ist.
- Gewünschter Stundungszeitraum: Gib an, für welche Monate du die Stundung beantragst und welchen Betrag du stunden möchtest – die gesamte Miete oder einen Teilbetrag.
- Rückzahlungsvorschlag: Formuliere einen konkreten Plan: Wann und in welchen Raten wirst du die gestundete Miete nachzahlen? Nenne ein konkretes Startdatum und die Ratenhöhe.
- Nachweise (als Anlagen): Füge Belege bei, die deine Situation dokumentieren: Kündigungsschreiben des Arbeitgebers, Bewilligungsbescheide, ärztliche Bescheinigungen oder Kontoauszüge.
- Bitte um schriftliche Zustimmung: Fordere den Vermieter auf, der Mietstundung schriftlich zuzustimmen, damit eine verbindliche Vereinbarung entsteht.
- Datum und Unterschrift: Unterschreibe den Antrag eigenhändig und versehe ihn mit dem aktuellen Datum.
Praktische Tipps für den Antrag auf Mietstundung
- Den Vermieter frühzeitig informieren, bevor die Miete ausbleibt: Der größte Fehler, den Mieter in einer finanziellen Krise begehen können, ist Schweigen. Wenn die Miete ohne Vorwarnung ausbleibt, reagieren Vermieter mit Mahnungen und im schlimmsten Fall mit einer Kündigung. Informierst du den Vermieter hingegen frühzeitig und proaktiv, zeigst du Vertragstreue und gibst ihm die Möglichkeit, sich auf die Situation einzustellen. In den meisten Fällen sind Vermieter eher bereit, einer Mietstundung zuzustimmen, wenn sie rechtzeitig eingebunden werden, als wenn sie vor vollendete Tatsachen gestellt werden.
- Nachweise über die finanzielle Notlage beifügen: Belege verleihen deinem Antrag Glaubwürdigkeit und nehmen dem Vermieter die Unsicherheit. Reiche Kopien des Kündigungsschreibens deines Arbeitgebers, des Bewilligungsbescheids für Arbeitslosengeld oder Wohngeld, einer ärztlichen Bescheinigung oder anderer relevanter Dokumente ein. Du musst keine Kontoauszüge offenlegen, wenn du das nicht möchtest – aber je mehr du die Situation belegst, desto besser stehen die Chancen auf Zustimmung.
- Staatliche Unterstützungsleistungen zuerst ausschöpfen: Bevor du einen Antrag auf Mietstundung stellst, prüfe, ob dir staatliche Leistungen zustehen, die die Mietzahlung sichern können. Arbeitslosengeld II (Bürgergeld) übernimmt die Kosten der Unterkunft, Wohngeld ergänzt niedrige Einkommen, und in bestimmten Fällen können Sozialbehörden einmalige Beihilfen zur Mietschuldentilgung gewähren. Teile dem Vermieter mit, welche Leistungen du beantragt hast und wann du mit deren Bewilligung rechnest. Das zeigt, dass du alle verfügbaren Mittel nutzt und die Stundung nur als Überbrückung benötigst.
- Teilzahlung anbieten, wenn möglich: Wenn du nicht die gesamte Miete, aber einen Teil davon aufbringen kannst, biete dem Vermieter eine Teilzahlung an. Eine Stundung über den Differenzbetrag ist für den Vermieter deutlich attraktiver als eine vollständige Stundung, weil der Einnahmeausfall geringer ist. Gleichzeitig signalisierst du, dass du deine Zahlungspflicht so weit wie möglich erfüllst. Diese Kooperationsbereitschaft erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Zustimmung und stärkt das Vertrauensverhältnis.
Expertentipp:
Wenn du unsicher bist, ob dein Antrag auf Mietstundung alle notwendigen Angaben enthält und überzeugend formuliert ist, kannst du ihn mit einem Dokumentengenerator wie Legally.io erstellen lassen. Die Plattform hilft dir, ein professionelles Anschreiben zur Mietstundung zu erstellen, das alle Pflichtangaben abdeckt.
Wichtigste Erkenntnisse
Ein Antrag auf Mietstundung beim Wohnmietvertrag ist ein wirksames Mittel, um in einer vorübergehenden finanziellen Notlage das Mietverhältnis zu schützen und eine Kündigung zu vermeiden. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der frühzeitigen, offenen Kommunikation mit dem Vermieter, einer nachvollziehbaren Begründung, einem konkreten Rückzahlungsplan und der schriftlichen Fixierung der Vereinbarung. Nutze parallel alle staatlichen Unterstützungsleistungen, biete Teilzahlungen an, wenn möglich, und dokumentiere deine Situation mit Belegen. Mit einem professionell formulierten Anschreiben mithilfe eines Musters zur Mietstundung und einer kooperativen Haltung lässt sich in den meisten Fällen eine einvernehmliche Lösung finden.






