Was ist die Anforderung eines Praktikumszeugnisses?
Die Anforderung eines Praktikumszeugnisses ist ein schriftliches Ersuchen des Praktikanten an den Praktikumsbetrieb, ein Zeugnis über das absolvierte Praktikum auszustellen. Das Praktikumszeugnis ist ein arbeitsrechtliches Dokument, das der Praktikumsbetrieb am Ende des Praktikums ausstellen muss. Es ist nicht mit einer reinen Praktikumsbescheinigung der Hochschule oder einem schlichten Teilnahmenachweis zu verwechseln, sondern dokumentiert die im Betrieb erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten sowie – beim qualifizierten Praktikumszeugnis – die Leistung und das Verhalten des Praktikanten.
Die rechtliche Grundlage hängt von der Art des Praktikums ab. Bei sozialversicherungspflichtigen, bezahlten Praktika gilt § 109 Gewerbeordnung (GewO), der den Anspruch auf ein Arbeitszeugnis regelt und entsprechend Anwendung findet. Bei Praktika, die der Berufsausbildungsvorbereitung dienen, greift § 16 in Verbindung mit § 26 Berufsbildungsgesetz (BBiG). Auch bei freiwilligen oder Pflichtpraktika während des Studiums besteht in der Regel ein Anspruch auf ein Zeugnis – oft ergibt er sich direkt aus dem Praktikumsvertrag oder analog aus § 109 GewO. In der Praxis kommt es dennoch häufig vor, dass Betriebe das Zeugnis nicht automatisch ausstellen oder es verzögern. Deine schriftliche Anforderung stellt sicher, dass der Anspruch dokumentiert wird und der Betrieb eine konkrete Frist erhält.
Das Praktikumszeugnis kann als einfaches oder qualifiziertes Zeugnis ausgestellt werden. Ein einfaches Praktikumszeugnis enthält lediglich Angaben zur Art und Dauer des Praktikums sowie zu den ausgeübten Tätigkeiten. Das qualifizierte Praktikumszeugnis enthält zudem eine Bewertung der Leistung und des Verhaltens des Praktikanten. Da das qualifizierte Zeugnis für Bewerbungen deutlich aussagekräftiger ist, solltest du in deiner Anforderung ausdrücklich ein qualifiziertes Praktikumszeugnis verlangen.
Wann muss man ein Praktikumszeugnis anfordern?
1. Am Ende des Praktikums
Der häufigste Anlass für die Anforderung ist das reguläre Ende des Praktikums. Mit dem letzten Praktikumstag endet das Praktikumsverhältnis, und der Betrieb ist verpflichtet, ein Praktikumszeugnis auszustellen. Idealerweise forderst du das Zeugnis bereits zwei bis vier Wochen vor dem letzten Tag an, damit der Betrieb genügend Zeit hat, es sorgfältig zu erstellen. Viele Praktikanten warten darauf, dass der Betrieb von sich aus tätig wird – und stellen dann fest, dass das Zeugnis zum Praktikumsende nicht vorliegt. Eine frühzeitige schriftliche Anforderung vermeidet diese Situation und ermöglicht dir, ein fehlerhaftes Zeugnis noch während der verbleibenden Praktikumszeit zu beanstanden.
2. Bei Verlust oder Beschädigung des Originals
Wenn du dein Praktikumszeugnis verloren hast oder es beschädigt wurde, hast du grundsätzlich die Möglichkeit, beim ehemaligen Praktikumsbetrieb eine Zweitschrift oder Kopie anzufordern. Der Betrieb ist zwar nicht verpflichtet, ein neues Original mit aktuellem Datum auszustellen, muss jedoch in der Regel eine beglaubigte Kopie ermöglichen, sofern die Personalakte noch vorhanden ist. Falls der Betrieb nicht mehr existiert, können der damalige Vorgesetzte oder Kollegen unter Umständen eine eidesstattliche Bestätigung über deine Tätigkeit ausstellen, die als Ersatz vorgelegt werden kann.
Expertentipp:
Bewahre immer eine beglaubigte Kopie deines Praktikumszeugnisses getrennt vom Original auf. So bist du im Fall eines Verlustes abgesichert und musst nicht den aufwendigen Weg über den ehemaligen Praktikumsbetrieb gehen.
3. Für Bewerbungen, Studium und Nachweise
Das Praktikumszeugnis wird regelmäßig bei Bewerbungen verlangt und kann auch als Nachweis gegenüber Hochschulen oder Behörden erforderlich sein – etwa bei der Anerkennung eines Pflichtpraktikums im Studium, bei der Bewerbung um eine Ausbildungsstelle oder als Anlage zu einer weiteren Praktikumsbewerbung. Wenn du dein Zeugnis für solche Zwecke benötigst und es noch nicht vorliegt, ist die schriftliche Anforderung beim Praktikumsbetrieb der richtige Weg. Auch ältere Zeugnisse, die nie ausgestellt wurden, lassen sich in der Regel noch nachträglich anfordern.
4. Bei vorzeitiger Beendigung des Praktikums
Auch, wenn das Praktikum vorzeitig endet – sei es durch Kündigung, Aufhebungsvereinbarung oder andere Gründe –, hast du Anspruch auf ein Praktikumszeugnis. Der Betrieb muss das Zeugnis auch in diesen Fällen ausstellen. Es dokumentiert dann die bis zum Beendigungszeitpunkt erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten sowie die ausgeübten Tätigkeiten. Gerade bei einer vorzeitigen Beendigung ist eine frühzeitige Anforderung besonders wichtig, da der Kontakt zum Betrieb anschließend oft abreißt und sich Vorgesetzte später schwerer an deine Leistung erinnern.
Wie fordert man ein Praktikumszeugnis an?
Schritt 1: Schriftliche Anforderung beim Praktikumsbetrieb
Richte dein Anforderungsschreiben an den Praktikumsbetrieb – konkret an die Personalabteilung oder an den Vorgesetzten, der für dich zuständig war. Formuliere klar, dass du die Ausstellung eines qualifizierten Praktikumszeugnisses verlangst. Ein formloser Brief oder eine E-Mail genügt grundsätzlich; ein strukturiertes Schreiben wirkt jedoch professioneller und hinterlässt einen besseren Eindruck. Vermeide mündliche Anfragen, da diese im Streitfall nicht nachweisbar sind.
Schritt 2: Fristen und Form der Anforderung beachten
Der Anspruch auf ein Praktikumszeugnis verjährt nach allgemeinen Verjährungsregeln grundsätzlich erst nach drei Jahren (§ 195 BGB). Das bedeutet, dass du auch nach dem Ende des Praktikums noch ausreichend Zeit hast, das Zeugnis anzufordern. In der Praxis solltest du die Anforderung jedoch so früh wie möglich stellen, da mit zunehmender Zeit die Erinnerung des Vorgesetzten an deine Leistungen verblasst und das Zeugnis weniger detailliert ausfallen kann. Setze dem Betrieb eine angemessene Frist von zwei bis drei Wochen für die Ausstellung. Beachte: Das Zeugnis selbst muss nach § 109 Abs. 3 GewO schriftlich, also in Papierform mit Originalunterschrift, ausgestellt werden – eine reine elektronische Form ist ausgeschlossen.
Schritt 3: Bei Ablehnung rechtliche Schritte einleiten
Weigert sich der Praktikumsbetrieb, das Zeugnis auszustellen, kannst du deinen Anspruch gerichtlich durchsetzen. Die zuständige Stelle ist das Arbeitsgericht. Vor einer Klage empfiehlt sich jedoch ein erneutes Mahnschreiben mit Fristsetzung. Auch ein anwaltliches Schreiben führt in vielen Fällen dazu, dass der Betrieb einlenkt und das Zeugnis ausstellt. Bei Pflichtpraktika während des Studiums kann zudem die Praktikumsbeauftragte oder der Dekan deiner Hochschule beim Betrieb intervenieren und auf eine Zeugnisausstellung hinwirken.
Expertentipp:
Wenn du das Gefühl hast, dass das Praktikumszeugnis nicht deinen tatsächlichen Leistungen entspricht, hast du das Recht, eine Korrektur zu verlangen. Beanstande fehlerhafte oder unvollständige Formulierungen schriftlich und nenne konkret, welche Passagen du für unzutreffend hältst und warum.
Schritt 4: Praktikumszeugnis auf Vollständigkeit und Richtigkeit prüfen
Sobald du das Zeugnis erhalten hast, prüfe es sorgfältig auf inhaltliche Richtigkeit, Vollständigkeit und die üblichen Formulierungen. Ein qualifiziertes Praktikumszeugnis muss bestimmte Angaben enthalten und darf keine unzulässigen negativen Codes oder Auslassungen aufweisen, die auf eine schlechte Bewertung hindeuten. Achte besonders auf die sogenannte Zeugnissprache, bei der scheinbar positive Formulierungen tatsächlich eine unterdurchschnittliche Bewertung bedeuten können.
Was muss das Schreiben zur Anforderung des Praktikumszeugnisses enthalten?
- Angaben zur Person und zum absolvierten Praktikum: dein vollständiger Name, deine aktuelle Adresse, der Praktikumszeitraum (Beginn und Ende), die Abteilung, die Hauptaufgaben sowie der Name und die Anschrift des Praktikumsbetriebs.
- Konkrete Bitte um Ausstellung des qualifizierten Zeugnisses: Formuliere eindeutig, dass du ein qualifiziertes Praktikumszeugnis verlangst, das Angaben zu Leistung und Verhalten enthält. So stellst du sicher, dass du nicht nur ein einfaches Zeugnis erhältst.
- Bezugnahme auf den Rechtsanspruch: Ein kurzer Verweis auf § 109 GewO bei bezahlten Praktika oder auf den Praktikumsvertrag macht deutlich, dass du deinen Anspruch kennst und ihn geltend machst.
- Fristsetzung: Setze dem Betrieb eine angemessene Frist von zwei bis drei Wochen für die Ausstellung des Zeugnisses.
- Adresse für die Zusendung: Gib an, an welche Adresse das Zeugnis gesendet werden soll, falls du nicht mehr im Betrieb anwesend bist.
- Datum und Unterschrift: Versehe das Schreiben mit dem aktuellen Datum und deiner eigenhändigen Unterschrift.
Praktische Tipps für die Anforderung des Praktikumszeugnisses
- Anforderung rechtzeitig vor dem letzten Praktikumstag stellen: Stelle die Anforderung deines Praktikumszeugnisses spätestens zwei bis vier Wochen vor dem Praktikumsende. So hat der Betrieb genügend Vorlaufzeit, um das Zeugnis sorgfältig zu erstellen, und du kannst es noch während deiner Praktikumszeit prüfen und gegebenenfalls Korrekturen einfordern. Wenn du das Zeugnis erst nach dem Ausscheiden anforderst, verlierst du den direkten Zugang zum Betrieb und die Kommunikation wird oft schwieriger.
- Unterschied zwischen einfachem und qualifiziertem Praktikumszeugnis kennen: Das einfache Praktikumszeugnis enthält nur Angaben zur Art und Dauer des Praktikums sowie zu den ausgeübten Tätigkeiten. Das qualifizierte Praktikumszeugnis enthält zusätzlich eine Beurteilung deiner Leistung und deines Verhaltens während des Praktikums. Für Bewerbungen ist das qualifizierte Zeugnis deutlich wertvoller, da es potenziellen Arbeitgebern ein umfassendes Bild deiner Fähigkeiten vermittelt. Verlange deshalb immer ausdrücklich ein qualifiziertes Praktikumszeugnis.
- Fehlerhafte Praktikumszeugnisse sofort beanstanden und Korrektur verlangen: Prüfe dein Praktikumszeugnis unmittelbar nach Erhalt auf inhaltliche Fehler, fehlende Angaben und unzulässige Formulierungen. Typische Fehler sind falsche Praktikumszeiträume, fehlende Aufgabenbeschreibungen, unübliche Formulierungen, die in der Zeugnissprache eine negative Bewertung bedeuten, oder das Fehlen einer Schlussformel mit Dankes- und Zukunftswünschen. Beanstande Fehler schriftlich und konkret: Benenne die betreffende Passage und erkläre, warum sie unzutreffend ist und welche Formulierung du für angemessen hältst.
- Praktikumszeugnis-Formulierungen kennen und einordnen: Die Zeugnissprache folgt festen Konventionen, die nicht immer auf den ersten Blick erkennbar sind. Formulierungen wie „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit" entsprechen einer Bestnote, während „zu unserer Zufriedenheit" nur eine durchschnittliche Bewertung darstellt. Fehlt die Schlussformel mit Bedauern über das Ausscheiden und guten Wünschen für die Zukunft, kann das als negatives Signal gewertet werden. Informiere dich über die gängigen Formulierungen für Praktikumszeugnisse, um dein Zeugnis richtig einzuordnen und bei Bedarf eine Korrektur zu verlangen.
Expertentipp:
Wenn du unsicher bist, ob dein Anforderungsschreiben alle notwendigen Angaben enthält, kannst du es mit einem Dokumentengenerator wie Legally.io erstellen lassen. Die Plattform hilft dir dabei, ein professionelles Muster für die Anforderung deines Praktikumszeugnisses zu erstellen.
Wichtigste Erkenntnisse
Die Anforderung eines Praktikumszeugnisses ist ein einfacher, aber wichtiger Schritt, um dein Recht auf ein vollständiges und faires Zeugnis am Ende eines Praktikums durchzusetzen. Der Praktikumsbetrieb ist je nach Art des Praktikums nach § 109 GewO oder analog gesetzlich verpflichtet, dir ein Zeugnis auszustellen. Fordere immer ein qualifiziertes Praktikumszeugnis an, prüfe die Formulierungen sorgfältig, beanstande Fehler sofort und bewahre eine beglaubigte Kopie auf. Mit einem professionellen Anforderungsschreiben, einer angemessenen Frist und dem Wissen um deine Rechte sicherst du dir ein Zeugnis, das deine Praktikumsleistung angemessen würdigt.






